Die Begegnung mit Ahmed war recht interessant. Als wir ihn nach einigen Telefonaten und durch die Hilfe eines netten jungen Tuerken zu Gesicht bekamen kam er mit etwas seltsam vor. Er war ein Englischlehrer Anfang 50, aber die Art und Weise in der er Estella und mich begruesste gefiel mir nicht. Er hatte etwas sehr luestendes in seinem Blick und beruehrte Estella einiges ueber die Regeln der Hoeflichkeit hinaus. Da sie sich mit mir zusammen wohl sehr sicher fuehlt, wurde ihr das erst spaeter klar, als sie eine kurze Zeit mit ihm alleine war und er sich sehr annaeherte. Trotzdem war die gesammte Begegnung sehr interessant. Wir gingen in den alten Karawan Serail in dem zahlreiche Handwerker arbeiteten und tranken dort Tee bei einem befreundeten Hutmacher. Die Karawan Serails wurden frueher im Abstand von einer Tagesreise errichtet um den Karawanen ueber die Nacht Schutz vor Ueberfaellen zu gewaehren. Die dicken schmiedeeisernen Tore sind selbst heute noch voll funktionsfaehig, allerdings schuetzen sie nur noch das Hab und Gut der Handwerker und nicht mehr Gold, Silber und den Schmuck mancher Karawane. Ingesamt verbrachten wir dort einige Stunden und es stellte sich erst als es schon dunkel wurde heraus, dass es Probleme mit dem Schlafplatz gab. Nachdem Ahmed vergeblich versucht hatte uns einen Schlafplatz im Karawan Serail oder einer nahegelegenen Schule zu organisieren, und wir nicht fuer ein Hostel zahlen wollten, brachen wir auf um aus der Stadt heraus zu kommen.
Nach ca. 1 km Fussmarsch erreichten wir eine Tankstelle und versuchten dort jemanden zu finden der ein wenig aus der Stadt herausfahren wuerde. Es gab einiges an Diskussionen, da den Leuten etwas schwierig begreifbar zu machen war wieso wir aus der Stadt wollten. Wie es der Zufall oder das Schicksal wollte kam gerade in diesem Moment ein Paerchen vorbei, von dem der Mann Englisch und auch Deutsch sprach. Sie luden uns zu sich nach Hause ein um dort zu uebernachten zu duschen und zu essen. Ich hatte ein sehr gutes Gespraech mit Hasan, in dem wir mit der Zeit auf die Sufi Tradition im Islam, sowie einen ihrer grossen Vertreter, Mevlana aus Konya kamen. Dieses Gespraech hier wieder zu geben wuerde allerdings zu weit fuehren. Alles in allem war es ein groesses Glueck fuer uns Hassan und Oezge kennen gelernt zu haben.
Am naechsten Morgen fuhr Hassan uns an einen relativ guten Platz zum trampen und wir setzten unsere Reise in Richtung schwarzes Meer fort.
Ueber die Zwischenstationen Sivas und Tokat gelangten wir am Abend in Fatsa am Schwarzen Meer an. Ab dort fuehrt die Strase in Richtung Georgien die meiste Zeit direkt am Meer entlang. Allerdings hatte ich ein kleines Waeldchen gesehen, bei welchem die Strasse etwas vom Meer entlang in Richtung dieses Waeldchens, als ein LKW-Fahrer in unsere Richtung gelaufen kam. Wir begruessten ihn und gaben ihm zu verstehen dass alles in Ordnung sei und wir nur hier essen wollten. Er meinte wohl er fuehre nach Ankara und danach nach Denizli und wollte uns mitnehmen, was wir dankend ablehnten, mit dem Hinweis dass wir nach Batumi wollten. Auf einmal wollte er nach Samsun und am naechsten Tag nach Batumi und wir sollten doch in seinem LKW schlafen. Er bot dann sogar Geld und zeigte seinen Ausweis, wohl um anzudeuten dass er vertrauenswuerdig sei. Wir sagten nur immer wieder Nein! und Danke! und versuchten ihn dann einfach zu ignorieren und unseren Weg fortzusetzen. Aber er kam uns hinterher nachdem er irgendetwas aus seinem Truck geholt hatte und behielt staendig seine linke Hand in der Hosentasche. Da wurde es mir langsam zu bunt und ich hielt vorsichtshalber mein Messer bereit. Trotzdem so hoeflich wie moeglich bleibend gingen wir wieder in Richtung der befahrenen Strasse und ueberquerten diese, woraufhin er in seinem Truck verschwand und abfuhr.
Dieser Schlafplatz war fuer uns wohl gestorben.
Wir mussten uns also einen neuen Schlafplatz suchen, wollten aber vorher noch ein paar Nudeln einkaufen. Gedacht, getan, gingen wir in einem kleinen Laden an der Strasse, der aber keine Nudeln da hatte. Kein Problem! Einer der drei Maenner ging kurz um die Ecke Nudeln organisieren, waehrend ich verstaendlich machte wohin und wie wir unterwegs seien. Das schien ihnen zu gefallen, denn der Mann (Erdogan) welcher die Nudeln geholt hatte ludt uns ein im Haus seines Druders zu bleiben, der gerade mitsamt Familie verreist war. Mir sah das ganze zwar eher nach einen Ferienhaus aus, aber immerhin: Garten direkt am schwarzen Meer und ein ganzes Haus fuer uns. Nur schade dass die Verstaendigung so schwer ist. Nachdem Erdogan uns am naechsten Morgen wieder abgeholt und zu einem Internet Caffe gefahren hatte konnten wir endlich mal wieder ein wenig mit der Heimat kommunizieren. Es tat gut einfach mal zu sagen: scheiss auf die par Lira, anstatt bei irgendwelchen Leuten zu fragen ob man mal kurz umsonst ihr Internet nutzen koenne, wie wir es bisher getan hatten. Schliesslich zahlten wir umgerechnet ca. 1,50 Euro fuer knapp 3 Stunden.
Wieder auf der Strase fanden wir auch recht bald Anschluss in Richtung Rize, unserem Etappenziel. Ein Tanklaster kurvte mit uns durch sehr schoene Landschaften, da er den Tunnel nicht nehmen durfte bis nach Ordu. Zu unserem Nachteil ist Ordu sehr ordentlich und gepflegt, sodass es in der Stadt keinem breiten staubigen Standstreifen gibt, den wir nutzen konnten. Doch erbarmte sich unter lautem gehupe schliesslich ein urspruenglich aus Erzurum stammender Trucker, der mit seinem Neffen unterwegs war. Es war sehr lustig mit den beiden, insbesondere der Neffe, Ozi, war sehr darauf aus, sich mit uns zu unterhalten. Auch wenn der Onkel zu beginn etwas brummig war, taute er nach und nach auf und versuchte mit uns zu reden. Als wir in Rize angekommen war es schon dunkel. Ozi und sein Onkel ueberredeten uns mit ihnen im LKW zu schlafen, was wir dankbar annahmen. Insbesondere da sie uns am naechsten Tag noch ein Stueck bis nach Cayeli mitnehmen konnten.
Nachdem uns ein alter tuerkischer Trucker bis nach Arhavi mitgenommen hatte wurde der LKW Verkehr langsam duenner. Irgendwie schienen nicht so viele nach Georgien zu fahren, was mich nach meinen Erfahrungen in 2003 nicht verwunderte. Schliesslich fuhr uns der Begleitwagen mehrerer mit Pipelineteilen beladener Schwertransporter bis fast nach Sarp, dem Grenzort. Die letzten paar Kilometer, sowie weiter ueber die Grenze nach Batumi nahm uns dann ein Minibus mit, was bei der langen LKW-Schlange vor der Grenze wohl das beste war was uns in dieser Situation passieren konnte.
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