Freitag, 1. Mai 2009

Kappadokien

Endlich mal wieder ein bisschen Zeit zum schreiben. Zwar laeuft nebenher eine georgische Gesangsshow "Sing mir was", aber ich habe gut geschlafen und kann mich konzentrieren. Seit wir von Istanbul weggetrampt sind ist eigentlich erst eine Woche vergangen, aber es kommt mir viel laenger vor.

Wir starteten am 16.04.2009 um 17:30 direkt hinter der Bosporus Bruecke. Ich muss zugeben: ein bisschen nervig ist es schon auf dem Standstreifen einer Autobahn zu trampen. Aber die Polizisten welche uns von dort vertieben kamen zum Glueck kein zweites mal vorbei. Schliesslich, nachdem wir mit ca. 40kg Gepaeck schon eine ganze Weile unterwegs waren erbarmte sich unser ein junger Taxifahrer, der wohl gerade Richtung Sabia Goecen Flughafen unterwegs war... immerhin fast raus aus der Stadt.

Von da aus ging es besser. Nach einem zweiten Zwischenstop in Izmit hattenwir Glueck. Ein penibel auf Hygiene bedachter, Russisch sprechender Tuerkeauf dem Weg nach Jordanien nahm uns mit bis nach Aksaray, einer Stadt am Rande von Kappadokien. So hatten wir wenigstens ein paar Stunden Schlaf in einem LKW-Bett und ein paar einfache Worte zur Verstaendigung.

In Aksaray angekommen, wollten wir eigentlich im Internet nachsehen ob unsere potentiellen Gastgeber aus Kappadokien geantwortet hatten. Allerdings war das Internetcaffe geschlossen und der Laptop des hilfreichen Polizisten half uns auch nicht viel, da die freien WLAN Zugaenge keine Internetverbindung besassen. Na gut! Als auf gut Gleuck weiter nach Nevsehir. Am dortigen Otogar gab es endlich Internet in einem Tourismusbuero. Dummerweise hatten wir nur Absagen erhalten. Ratlosigkeit. Was tun? Hier bleiben? Auf gut Glueck nach Goereme fahren, trotzdem wir nicht wissen wo wir schlafen werden? Zumindest hatten wir einen sehr schoenen Zeltplatz gefunden, an dem wir allerdings nur zum Fruehstuecken blieben. Ein erneuter Anlauf einen Schlafplatz zu finden, oder besser gesagt eine heisse Dusche lief darauf hinaus, dass wir uns Telefonnummern von Hospitality Club Mitgliedern rausschrieben und verzweifelt Leute suchten von deren Handys wir sie anrufen koennten. Bei dem letzten dieser Versuche gerieten wir an einen jungen MAnn dem allem Anschein nach die halbe Stadt (zumindest die jungen Leute) Respekt zollten. Mit ihm liefen wir eine ganze Weile umher. Er organisierte uns etwas zu Essen von einem Strasenverkaeufer und zahlte uns schliesslich den Bus nach Goerme.

Dort angekommen deponierten wir unser Gepaeck in einer Turi Information und bestaunten die in seltsam geformte Steine gehauenen Haeuser und Hoehlen (siehe Fotos). Die ganze Umgebung ist sowas von schoen, dass wir beschlossen ein paar Tage zu bleiben und uns einen schoenen Zeltplatz zu suchen - zumindest solange wir keine Antwort von unserer letzten potentiellen Gastgeberin hatten.

Nachdem wir uns mit der netten Touristentante ueber die schoensten Ecken in der Gegend ausgetauscht hatten, brachen wir mit unseren Rucksaecken bepackt in Richtung Red-Valley auf. Dort angelangt waren wir hellauf begeister von der Schoenheit der Landschaft und fanden auch sehr schnell einen gut versteckten Zeltplatz. Wie sich heraustellen sollte war der Platz teils gluecklich und teils ungluecklich gewaehlt. Zu unserem Glueck gab es in einer Hoehle in der Naehe fliessendes Wasser, sodass wir uns Waschen konnten und Wasser zum kochen hatten. Allerdings wurden wir am naechsten Morgen um halb sieben von enormem Krach geweckt.
Es waren Heisluftballons voll mit Touristen, die nur wenige Meter ueber unseren Koepfen vorbei flogen. Und es waren insgesamt um die 15 Stueck. - Halt ein unguenstiger Wind. Nach einer Weile hatten wir uns an den Krach gewoehnt und schliefen wieder ein. Nachdem wir lange genug geschlafen und ewige Zeit zum zusammenpacken gebraucht ahtten, setzten wir so gegen 13:30 unsere Wanderung durch das Tal fort. Dem einzigen Pfad folgend kamen wir durch Hoehlen und gruene Oasen bis zu einer Stelle an der die Felsen zurueckweichen und sich das Tal weitet.
Vom Weg aus uneinsehbar erstecken sich etwas hoeher gelegen gruene Wiesen,Aecker und Weinreben. Die eine Wiese schien uns einen optimalen Zeltplatz abzugeben. Als wir hinaufkamen bemerkten wir etwas weiter einen alten Mann der zwischen Baeumen Unkraut jaetete.

Da es mir sehr wichtig war ihn um Erlaubnis zu fragen bevor wir uns auf der Wiese niederliessen stellte sich heraus, dass er einmal fuer zwei Jahre in einer deutschen Stahlfabrik gearbeitet hatte und ein paar Brocken Deutsch sprach. So war es moeglich das er uns seine alltaeglichen Sorgen etwas Naeher brachte und wir alle von ihm bewirtschafteten Felder und Plantagen besichtigen konnten. Zu guter letzt halfen wir ihm noch etwas beim Unkraut jaehten. Er hatte hierfuer eine besondere Technik entwickelt. Er schnitt die Wurzeln mit einem sichelartigen, mit Saegezaehnen versehenen Messer tief unter der Erde ab. Danach konnte er das Unkraut muehelos und ohne die ganze Erde mitzunehmen herausziehen. So ging das Unkraut jaehten sehr schnell. Doch ploetzlich hiess es: "Feierabend" und ca. 1 Minute spaeter fing von ferne der Muhezin an zu rufen. - Ein beachtliches Zeitgefuehl, denn eine Uhr besass der Alte nicht.

Fuer uns wurde es nun langsam Zeit ein Nachtlager zu finden, welches wir in einer Hoehle fanden, die der Alte uns gezeigt hatte. Wir bereiteten uns also auf einen gemuetlichen Abend am Feuer vor. Dummerweise war alles Holz was wir fanden feucht und der leuchte abendliche Luftzug kam auch zum erliegen. Das Waerme und Licht spendende Feuer wurde zum qualmenden Herd des Gestanks.

Puhhh...

Am naechsten Morgen war der Wind aber wieder da und mit ihm dieHeissluftballons. Irgendwie schienen sie uns zu verfolgen. Gluecklicherweise schien auch wieder die Sonne, sodass wir nach kurzem Auslueften und einem Fruehstueck aus Reis Brot weiterzogen. Es war Sonntag und ueberall auf den Feldern war geschaeftiges Treiben, welches ich die Tage zuvor vermisst hatte. Anscheinend gab es hier nur Hobby-Bauern. Am fruehen Mittag hatten wir Cavucin erreicht. Die dortigen Hoehlen und Kirchen gehoeren wohl mit zu den aeltesten der Region und man sagt dass z.B. Georgien von dieser Region aus Christianisiert wurde (korrigier mich wenn's nicht simmt, Pia). Es war dort ein ganzes Dorf in den Fels gehauen und die Bewohner lebten da frueher wohl in einer Art riesen WG. Heute zerfaellt der Stein aber nach und nach.Es lebt niemand mehr in ihm ausser ein paar Tauben. Da wir die Hoffnung auf eine ordentliche Dusche noch nicht aufgegeben hatten, fuhren wir mit einer deutschen Touristengruppe zurueck nach Goereme um erneut enttaeuscht zu werden. Allerdings hatte Estella eine Nachricht aus dem 70km entfernt Kayseri, in der sie zum Kaffe eingeladen wurde. Ausserdem bot der nette Mann (Ahmed) an ihr auch mit einer Unterkunft helfen zu koennen.

Also - Auf nach Kayseri.

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