Donnerstag, 28. Mai 2009

Tsalendjika und Tiblissi

Tsalendjika. Irgendwie fühlt es sich an als würde ich nach Hause kommen. Es sind 6 lange Jahre die ich nicht hier war, trotzdem wirkt die Landschaft auf mich als wäre ich hier aufgewachsen. Und dazu altbekannte Gesichter, es war ein schöner Empfang, auch wenn Nino und User alle Hände voll zu tun hatten. Für Estella und mich waren es ein paar Tage der Ruhe und Entspannung. Nur am letzten Abend gab es wieder ein Festessen: Die Nachbarin hatte geheiratet und nun wurde das kleine Hochzeitsessen abgehalten.

Es wurden die üblichen Trinkrituale zelebriert und ich durfte natürlich auch meinen Beitrag dazu leisten. Ich glaube auch dass ich die richtigen Worte fand, denn ich bekam viel Beifall und anerkennende Blicke. Naja, auch wenn Marina mich anscheinend vor dem Alkohol beschützen wollte, legte ich an dem Abend nicht soviel Wert darauf. Am Ende ging ich dann nicht weil ich zu viel getrunken, sondern weil ich zuviel gegessen hatte.

Am nächsten Morgen ging es dann mit einem Nachbarn in Richtung Tiblissi (Tiflis). Wir hatten dort von den drei Polinen in Batumi die Nummer eines Östereichers bekommen, den wir wegen einer Übernachtungsmöglichkeit fragen wollten. Er sagte uns es sei kein Problem bei ihm zu schlafen, allerdings sei er nicht da und ausserdem seien da auch schon 4 andere Leute. Das nenn ich Gastfreundschaft :). Dummerweise hatten wir keine genaue Hausnummer und die Verständigung mit unserem Fahrer war etwas schwierig, so fanden wir das richtige Haus schlussendlich erst als wir wieder alleine unterwegs waren.

Das Haus schien vor vielen vielen Jahren einmal wirklich Prunkvoll gewesen zu sein und selbst heute besitzt es noch einiges an Charme. So steigen wir das geschwungene Treppenhaus empor und landen schließlich in einer sehr geräumigen 2 Zimmer Wohnung. Wobei wir in dem einen Raum zwischenzeitlich zu 10t schlafen werden. Ansonsten war der Aufenthalt in Tiblissi von vielem Herumgelaufe und Sightseeing geprägt. Zu allem Überfluss schafften wir es noch nicht einmal am richtigen Tag beim Pantomimtheater zu sein. So blieb uns als Kulturprogramm nur die Wohnkäfige der Oppositionellen zu besichtigen und ein wenig den Kundgebungen zu lauschen.

Für mich war es sehr schön nach langen Jahren Levan (einen alten Freund) mal wieder zu treffen und sogar Irakli, der inzwischen ein hoher Beamter im Innenministerium ist kam kurz vorbei. Levan hat es auch schon ziemlich weit gebracht. Er ist Direktor einer bulgarischen Pharmafirma und für den gesamten russischen, georgischen, armenischen und azerbaidjanischen Markt zuständig.

Alles in allem ist Tiblissi immer noch eine wunderschöne Stadt, sie ist zwar etwas heruntergekommen, wie unsere "Wohnung" auch, aber strahlt wohl gerade deswegen eine ungeheure Romantik aus. Allerdings hielt es uns nicht länger als 3 Tage dort, da wir eigentlich nur 10 Tage in Georgien bleiben wollten und den Kaukasus als nächstes Ziel vor Augen hatten.

Dienstag, 26. Mai 2009

Batumi

Endlich ein wenig Ruhe! Zumindest eine erholsame Stunde auf einer Parkbank direkt am schwarzen Meer. Allerdings wurde es langsam Zeit uns um das Nachtquartier zu kümmern. So sprachen wir den nächstbesten Georgier mit unserem grotten schlechten Russisch an und… welche Überraschung… er verstand uns. Die Telefonnummer von Arutin hatten wir uns über Hospitalityclub besorgt, allerdings ging da eine Frau ans Telefon und die ganze Situation am anderen Ende der Leitung schien ziemlich verwirrt. Wir einigten uns also darauf später nochmal anzurufen. Allerdings liefen wir uns nur 10 Meter weiter bereits in die Arme: drei sehr laute Polinen, Arutin - ein sehr schweigsamer Georgier und noch zwei Freunde von ihm. Arutin meinte: Ein Schlafplatz sei kein Problem, aber vorher müssen wir Chacha trinken: Reanimazi. Sein Großvater lag den Ärzten nach wohl schon im Sterben, als ihn ein kräftiger Schluck aus seiner Chacha Flasche wieder zu neuen Kräften kommen ließ. Naja und inzwischen säuft, raucht und lebt er schon 90 Jahre. Bei Arutin zuhause angekommen, werden wir erst mal von seiner reizenden Mutter empfangen. Eine sehr herzliche und musikalisch außerordentlich begabte Frau. Hinter dem Haus begegnen wir dann dem Onkel und dem Opa, natürlich beim Chacha trinken (Das Zeug hat über 60% und ist selbst gebrannt).

Wenige Zeit und ein paar Chacha später beschließen wir uns von dem völlig betrunkenen Onkel in den botanischen Garten fahren zu lassen, auch wenn uns dabei erst mal nicht so ganz geheuer ist. Wir brechen also mit überlauten russischen Schnulzen im Radio auf und rasen mit dem Onkel durch die Stadt. Allerdings hat der Spaß ein jähes Ende, als der Onkel eine Sehenswürdigkeit präsentieren will und mit ziemlichem Karacho gegen den 40cm hohen Bordstein fährt. Kracks… :P Die Achse hat es wohl gerad so überlebt, der Kotflügel weniger.

Danach verlief die Fahrt wesentlich ruhiger und die Stimmung war etwas gedrückt. Auch reagierte der Onkel etwas unverständig als wir im botanischen Garten aussteigen wollten. Er fuhr einfach mit dem Auto weiter durch und lud uns irgendwann wieder ein. Zurück zuhause bekam er auch erst mal richtig Ärger mit Arutins Mutter. Naja bald war das alles wieder vergessen und abends gab es ein rauschendes Fest mit viel Wodka, Chacha, Tanz und Gesang. Nicht zu vergessen, das ausgezeichnete Essen.

Nachdem wir die Nacht im Bett von Arutins Mutter verbracht haben (Sie ließ sich nicht davon abbringen), war der nächste Morgen für mich ganz schön schwer :) Wie auch immer, wir wollten weiter nach Tsalendjika trampen, ein kleiner Ort in der Nähe Abchasiens, um dort meine Freunde zu treffen, bei denen ich schon 2003 gewesen bin.

Georgien !!!

Als wir die Grenze in Sarp erreichten traute ich meinen Augen nicht. Was sich in 6 Jahren nicht alles verändert. Der türkische Grenzposten hat sich von einer Art Fabrikhinterhof in einen hochmodernen, großdimensionierten Grenzübergang nach europäischem Vorbild verwandelt. Auch wenn sich auf der georgischen Seite baulich kaum etwas verändert hat, ist das ganze Prozedere unglaublich einfach geworden. Keine "Gebühren" mehr, die an jeder Ecke zu entrichten sind, dafür biometrischer Gesichtsabgleich mit dem Passfoto.

Nach der Grenze gehen die Überraschungen aber gleich weiter: Die Straße hat keine Schlaglöcher und es gibt sogar Tankstellen - Wow! Wie sich herausstellte ist innerhalb der letzten 6 Jahre der Großteil der georgischen Straßen, selbst kleine unbedeutende, von Grund auf saniert worden. Viele der früher staatlichen Einrichtung wie die Häfen von Batumi oder Poti, sowie teilweise die Eisenbahn sind inzwischen an ausländische Investoren verkauft worden und Saakashvili hat sich immer sehr gut beteiligen lassen. Teilweise gehören ihm bis zu 75% von großen georgischen Unternehmen. So hat sich über die letzten Jahre die Korruption von der Verkehrspolizei auf das Parlament verschoben. Wobei man denke ich nicht sagen kann, Schwardnadse sei nicht korrupt gewesen. Wie auch immer, anderen Stimmen zufolge geht es den meisten Oppositionellen auch nur um den Zugriff auf das Geld.

Es scheint für Georgien nur wenige wirklich gute Alternativen zu geben, die zumeist auch auf sehr heftigen Widerstand aus der Regierung, bzw. auch aus Amerika stoßen würden. So schienen viele Georgier große Hoffnungen in den Oligarchen Badri Patarkazischwili zu setzen, der 2008 als Präsidentschaftskandidat gegen Saakaschwili antreten wollte. Er war einer der Hauptfinanciers der Opposition und investierte über seine Badri-Patarkazischwili-Stiftung sein privates Vermögen für öffentliche Zwecke wie Kultur, Sport und Wissenschaft. Politisch stellte er sich ab 2006 in die Opposition zu Saakaschwili. Er offenbarte die gängige Praxis der Regierung Saakaschwili die Medien über Steuerbehörden unter Druck zu setzen und schwarze Fonds zu bilden. In diesen Fonds liegen die oben erwähnten Beteiligungen sowie große Geldbeträge zur freien Verfügung der Regierung (ohne parlamentarische Kontrolle). Laut gut informierten Kreisen werden Unternehmen die nötigen Konzessionen und behördlichen Genehmigungen verweigert, bzw. werden ruinöse Steuerverfahren eingeleitet, falls die geforderten Beteiligungen, bzw. auch Geldbeträge nicht gewährt werden. Patarkazischwili starb im Februar 2007 in London an Herzversagen, wobei die Umstände von der englischen Polizei als verdächtig eingestuft wurden und er schon länger um sein Leben fürchtete. Naja, aber dazu vielleicht mal an anderer Stelle. Immerhin will ich von unserer Reise berichten.

Freitag, 1. Mai 2009

Weiter nach Georgien

Die Begegnung mit Ahmed war recht interessant. Als wir ihn nach einigen Telefonaten und durch die Hilfe eines netten jungen Tuerken zu Gesicht bekamen kam er mit etwas seltsam vor. Er war ein Englischlehrer Anfang 50, aber die Art und Weise in der er Estella und mich begruesste gefiel mir nicht. Er hatte etwas sehr luestendes in seinem Blick und beruehrte Estella einiges ueber die Regeln der Hoeflichkeit hinaus. Da sie sich mit mir zusammen wohl sehr sicher fuehlt, wurde ihr das erst spaeter klar, als sie eine kurze Zeit mit ihm alleine war und er sich sehr annaeherte. Trotzdem war die gesammte Begegnung sehr interessant. Wir gingen in den alten Karawan Serail in dem zahlreiche Handwerker arbeiteten und tranken dort Tee bei einem befreundeten Hutmacher. Die Karawan Serails wurden frueher im Abstand von einer Tagesreise errichtet um den Karawanen ueber die Nacht Schutz vor Ueberfaellen zu gewaehren. Die dicken schmiedeeisernen Tore sind selbst heute noch voll funktionsfaehig, allerdings schuetzen sie nur noch das Hab und Gut der Handwerker und nicht mehr Gold, Silber und den Schmuck mancher Karawane. Ingesamt verbrachten wir dort einige Stunden und es stellte sich erst als es schon dunkel wurde heraus, dass es Probleme mit dem Schlafplatz gab. Nachdem Ahmed vergeblich versucht hatte uns einen Schlafplatz im Karawan Serail oder einer nahegelegenen Schule zu organisieren, und wir nicht fuer ein Hostel zahlen wollten, brachen wir auf um aus der Stadt heraus zu kommen.

Nach ca. 1 km Fussmarsch erreichten wir eine Tankstelle und versuchten dort jemanden zu finden der ein wenig aus der Stadt herausfahren wuerde. Es gab einiges an Diskussionen, da den Leuten etwas schwierig begreifbar zu machen war wieso wir aus der Stadt wollten. Wie es der Zufall oder das Schicksal wollte kam gerade in diesem Moment ein Paerchen vorbei, von dem der Mann Englisch und auch Deutsch sprach. Sie luden uns zu sich nach Hause ein um dort zu uebernachten zu duschen und zu essen. Ich hatte ein sehr gutes Gespraech mit Hasan, in dem wir mit der Zeit auf die Sufi Tradition im Islam, sowie einen ihrer grossen Vertreter, Mevlana aus Konya kamen. Dieses Gespraech hier wieder zu geben wuerde allerdings zu weit fuehren. Alles in allem war es ein groesses Glueck fuer uns Hassan und Oezge kennen gelernt zu haben.
Am naechsten Morgen fuhr Hassan uns an einen relativ guten Platz zum trampen und wir setzten unsere Reise in Richtung schwarzes Meer fort.

Ueber die Zwischenstationen Sivas und Tokat gelangten wir am Abend in Fatsa am Schwarzen Meer an. Ab dort fuehrt die Strase in Richtung Georgien die meiste Zeit direkt am Meer entlang. Allerdings hatte ich ein kleines Waeldchen gesehen, bei welchem die Strasse etwas vom Meer entlang in Richtung dieses Waeldchens, als ein LKW-Fahrer in unsere Richtung gelaufen kam. Wir begruessten ihn und gaben ihm zu verstehen dass alles in Ordnung sei und wir nur hier essen wollten. Er meinte wohl er fuehre nach Ankara und danach nach Denizli und wollte uns mitnehmen, was wir dankend ablehnten, mit dem Hinweis dass wir nach Batumi wollten. Auf einmal wollte er nach Samsun und am naechsten Tag nach Batumi und wir sollten doch in seinem LKW schlafen. Er bot dann sogar Geld und zeigte seinen Ausweis, wohl um anzudeuten dass er vertrauenswuerdig sei. Wir sagten nur immer wieder Nein! und Danke! und versuchten ihn dann einfach zu ignorieren und unseren Weg fortzusetzen. Aber er kam uns hinterher nachdem er irgendetwas aus seinem Truck geholt hatte und behielt staendig seine linke Hand in der Hosentasche. Da wurde es mir langsam zu bunt und ich hielt vorsichtshalber mein Messer bereit. Trotzdem so hoeflich wie moeglich bleibend gingen wir wieder in Richtung der befahrenen Strasse und ueberquerten diese, woraufhin er in seinem Truck verschwand und abfuhr.

Dieser Schlafplatz war fuer uns wohl gestorben.

Wir mussten uns also einen neuen Schlafplatz suchen, wollten aber vorher noch ein paar Nudeln einkaufen. Gedacht, getan, gingen wir in einem kleinen Laden an der Strasse, der aber keine Nudeln da hatte. Kein Problem! Einer der drei Maenner ging kurz um die Ecke Nudeln organisieren, waehrend ich verstaendlich machte wohin und wie wir unterwegs seien. Das schien ihnen zu gefallen, denn der Mann (Erdogan) welcher die Nudeln geholt hatte ludt uns ein im Haus seines Druders zu bleiben, der gerade mitsamt Familie verreist war. Mir sah das ganze zwar eher nach einen Ferienhaus aus, aber immerhin: Garten direkt am schwarzen Meer und ein ganzes Haus fuer uns. Nur schade dass die Verstaendigung so schwer ist. Nachdem Erdogan uns am naechsten Morgen wieder abgeholt und zu einem Internet Caffe gefahren hatte konnten wir endlich mal wieder ein wenig mit der Heimat kommunizieren. Es tat gut einfach mal zu sagen: scheiss auf die par Lira, anstatt bei irgendwelchen Leuten zu fragen ob man mal kurz umsonst ihr Internet nutzen koenne, wie wir es bisher getan hatten. Schliesslich zahlten wir umgerechnet ca. 1,50 Euro fuer knapp 3 Stunden.
Wieder auf der Strase fanden wir auch recht bald Anschluss in Richtung Rize, unserem Etappenziel. Ein Tanklaster kurvte mit uns durch sehr schoene Landschaften, da er den Tunnel nicht nehmen durfte bis nach Ordu. Zu unserem Nachteil ist Ordu sehr ordentlich und gepflegt, sodass es in der Stadt keinem breiten staubigen Standstreifen gibt, den wir nutzen konnten. Doch erbarmte sich unter lautem gehupe schliesslich ein urspruenglich aus Erzurum stammender Trucker, der mit seinem Neffen unterwegs war. Es war sehr lustig mit den beiden, insbesondere der Neffe, Ozi, war sehr darauf aus, sich mit uns zu unterhalten. Auch wenn der Onkel zu beginn etwas brummig war, taute er nach und nach auf und versuchte mit uns zu reden. Als wir in Rize angekommen war es schon dunkel. Ozi und sein Onkel ueberredeten uns mit ihnen im LKW zu schlafen, was wir dankbar annahmen. Insbesondere da sie uns am naechsten Tag noch ein Stueck bis nach Cayeli mitnehmen konnten.

Nachdem uns ein alter tuerkischer Trucker bis nach Arhavi mitgenommen hatte wurde der LKW Verkehr langsam duenner. Irgendwie schienen nicht so viele nach Georgien zu fahren, was mich nach meinen Erfahrungen in 2003 nicht verwunderte. Schliesslich fuhr uns der Begleitwagen mehrerer mit Pipelineteilen beladener Schwertransporter bis fast nach Sarp, dem Grenzort. Die letzten paar Kilometer, sowie weiter ueber die Grenze nach Batumi nahm uns dann ein Minibus mit, was bei der langen LKW-Schlange vor der Grenze wohl das beste war was uns in dieser Situation passieren konnte.

Kappadokien

Endlich mal wieder ein bisschen Zeit zum schreiben. Zwar laeuft nebenher eine georgische Gesangsshow "Sing mir was", aber ich habe gut geschlafen und kann mich konzentrieren. Seit wir von Istanbul weggetrampt sind ist eigentlich erst eine Woche vergangen, aber es kommt mir viel laenger vor.

Wir starteten am 16.04.2009 um 17:30 direkt hinter der Bosporus Bruecke. Ich muss zugeben: ein bisschen nervig ist es schon auf dem Standstreifen einer Autobahn zu trampen. Aber die Polizisten welche uns von dort vertieben kamen zum Glueck kein zweites mal vorbei. Schliesslich, nachdem wir mit ca. 40kg Gepaeck schon eine ganze Weile unterwegs waren erbarmte sich unser ein junger Taxifahrer, der wohl gerade Richtung Sabia Goecen Flughafen unterwegs war... immerhin fast raus aus der Stadt.

Von da aus ging es besser. Nach einem zweiten Zwischenstop in Izmit hattenwir Glueck. Ein penibel auf Hygiene bedachter, Russisch sprechender Tuerkeauf dem Weg nach Jordanien nahm uns mit bis nach Aksaray, einer Stadt am Rande von Kappadokien. So hatten wir wenigstens ein paar Stunden Schlaf in einem LKW-Bett und ein paar einfache Worte zur Verstaendigung.

In Aksaray angekommen, wollten wir eigentlich im Internet nachsehen ob unsere potentiellen Gastgeber aus Kappadokien geantwortet hatten. Allerdings war das Internetcaffe geschlossen und der Laptop des hilfreichen Polizisten half uns auch nicht viel, da die freien WLAN Zugaenge keine Internetverbindung besassen. Na gut! Als auf gut Gleuck weiter nach Nevsehir. Am dortigen Otogar gab es endlich Internet in einem Tourismusbuero. Dummerweise hatten wir nur Absagen erhalten. Ratlosigkeit. Was tun? Hier bleiben? Auf gut Glueck nach Goereme fahren, trotzdem wir nicht wissen wo wir schlafen werden? Zumindest hatten wir einen sehr schoenen Zeltplatz gefunden, an dem wir allerdings nur zum Fruehstuecken blieben. Ein erneuter Anlauf einen Schlafplatz zu finden, oder besser gesagt eine heisse Dusche lief darauf hinaus, dass wir uns Telefonnummern von Hospitality Club Mitgliedern rausschrieben und verzweifelt Leute suchten von deren Handys wir sie anrufen koennten. Bei dem letzten dieser Versuche gerieten wir an einen jungen MAnn dem allem Anschein nach die halbe Stadt (zumindest die jungen Leute) Respekt zollten. Mit ihm liefen wir eine ganze Weile umher. Er organisierte uns etwas zu Essen von einem Strasenverkaeufer und zahlte uns schliesslich den Bus nach Goerme.

Dort angekommen deponierten wir unser Gepaeck in einer Turi Information und bestaunten die in seltsam geformte Steine gehauenen Haeuser und Hoehlen (siehe Fotos). Die ganze Umgebung ist sowas von schoen, dass wir beschlossen ein paar Tage zu bleiben und uns einen schoenen Zeltplatz zu suchen - zumindest solange wir keine Antwort von unserer letzten potentiellen Gastgeberin hatten.

Nachdem wir uns mit der netten Touristentante ueber die schoensten Ecken in der Gegend ausgetauscht hatten, brachen wir mit unseren Rucksaecken bepackt in Richtung Red-Valley auf. Dort angelangt waren wir hellauf begeister von der Schoenheit der Landschaft und fanden auch sehr schnell einen gut versteckten Zeltplatz. Wie sich heraustellen sollte war der Platz teils gluecklich und teils ungluecklich gewaehlt. Zu unserem Glueck gab es in einer Hoehle in der Naehe fliessendes Wasser, sodass wir uns Waschen konnten und Wasser zum kochen hatten. Allerdings wurden wir am naechsten Morgen um halb sieben von enormem Krach geweckt.
Es waren Heisluftballons voll mit Touristen, die nur wenige Meter ueber unseren Koepfen vorbei flogen. Und es waren insgesamt um die 15 Stueck. - Halt ein unguenstiger Wind. Nach einer Weile hatten wir uns an den Krach gewoehnt und schliefen wieder ein. Nachdem wir lange genug geschlafen und ewige Zeit zum zusammenpacken gebraucht ahtten, setzten wir so gegen 13:30 unsere Wanderung durch das Tal fort. Dem einzigen Pfad folgend kamen wir durch Hoehlen und gruene Oasen bis zu einer Stelle an der die Felsen zurueckweichen und sich das Tal weitet.
Vom Weg aus uneinsehbar erstecken sich etwas hoeher gelegen gruene Wiesen,Aecker und Weinreben. Die eine Wiese schien uns einen optimalen Zeltplatz abzugeben. Als wir hinaufkamen bemerkten wir etwas weiter einen alten Mann der zwischen Baeumen Unkraut jaetete.

Da es mir sehr wichtig war ihn um Erlaubnis zu fragen bevor wir uns auf der Wiese niederliessen stellte sich heraus, dass er einmal fuer zwei Jahre in einer deutschen Stahlfabrik gearbeitet hatte und ein paar Brocken Deutsch sprach. So war es moeglich das er uns seine alltaeglichen Sorgen etwas Naeher brachte und wir alle von ihm bewirtschafteten Felder und Plantagen besichtigen konnten. Zu guter letzt halfen wir ihm noch etwas beim Unkraut jaehten. Er hatte hierfuer eine besondere Technik entwickelt. Er schnitt die Wurzeln mit einem sichelartigen, mit Saegezaehnen versehenen Messer tief unter der Erde ab. Danach konnte er das Unkraut muehelos und ohne die ganze Erde mitzunehmen herausziehen. So ging das Unkraut jaehten sehr schnell. Doch ploetzlich hiess es: "Feierabend" und ca. 1 Minute spaeter fing von ferne der Muhezin an zu rufen. - Ein beachtliches Zeitgefuehl, denn eine Uhr besass der Alte nicht.

Fuer uns wurde es nun langsam Zeit ein Nachtlager zu finden, welches wir in einer Hoehle fanden, die der Alte uns gezeigt hatte. Wir bereiteten uns also auf einen gemuetlichen Abend am Feuer vor. Dummerweise war alles Holz was wir fanden feucht und der leuchte abendliche Luftzug kam auch zum erliegen. Das Waerme und Licht spendende Feuer wurde zum qualmenden Herd des Gestanks.

Puhhh...

Am naechsten Morgen war der Wind aber wieder da und mit ihm dieHeissluftballons. Irgendwie schienen sie uns zu verfolgen. Gluecklicherweise schien auch wieder die Sonne, sodass wir nach kurzem Auslueften und einem Fruehstueck aus Reis Brot weiterzogen. Es war Sonntag und ueberall auf den Feldern war geschaeftiges Treiben, welches ich die Tage zuvor vermisst hatte. Anscheinend gab es hier nur Hobby-Bauern. Am fruehen Mittag hatten wir Cavucin erreicht. Die dortigen Hoehlen und Kirchen gehoeren wohl mit zu den aeltesten der Region und man sagt dass z.B. Georgien von dieser Region aus Christianisiert wurde (korrigier mich wenn's nicht simmt, Pia). Es war dort ein ganzes Dorf in den Fels gehauen und die Bewohner lebten da frueher wohl in einer Art riesen WG. Heute zerfaellt der Stein aber nach und nach.Es lebt niemand mehr in ihm ausser ein paar Tauben. Da wir die Hoffnung auf eine ordentliche Dusche noch nicht aufgegeben hatten, fuhren wir mit einer deutschen Touristengruppe zurueck nach Goereme um erneut enttaeuscht zu werden. Allerdings hatte Estella eine Nachricht aus dem 70km entfernt Kayseri, in der sie zum Kaffe eingeladen wurde. Ausserdem bot der nette Mann (Ahmed) an ihr auch mit einer Unterkunft helfen zu koennen.

Also - Auf nach Kayseri.