Tsalendjika. Irgendwie fühlt es sich an als würde ich nach Hause kommen. Es sind 6 lange Jahre die ich nicht hier war, trotzdem wirkt die Landschaft auf mich als wäre ich hier aufgewachsen. Und dazu altbekannte Gesichter, es war ein schöner Empfang, auch wenn Nino und User alle Hände voll zu tun hatten. Für Estella und mich waren es ein paar Tage der Ruhe und Entspannung. Nur am letzten Abend gab es wieder ein Festessen: Die Nachbarin hatte geheiratet und nun wurde das kleine Hochzeitsessen abgehalten.
Es wurden die üblichen Trinkrituale zelebriert und ich durfte natürlich auch meinen Beitrag dazu leisten. Ich glaube auch dass ich die richtigen Worte fand, denn ich bekam viel Beifall und anerkennende Blicke. Naja, auch wenn Marina mich anscheinend vor dem Alkohol beschützen wollte, legte ich an dem Abend nicht soviel Wert darauf. Am Ende ging ich dann nicht weil ich zu viel getrunken, sondern weil ich zuviel gegessen hatte.
Am nächsten Morgen ging es dann mit einem Nachbarn in Richtung Tiblissi (Tiflis). Wir hatten dort von den drei Polinen in Batumi die Nummer eines Östereichers bekommen, den wir wegen einer Übernachtungsmöglichkeit fragen wollten. Er sagte uns es sei kein Problem bei ihm zu schlafen, allerdings sei er nicht da und ausserdem seien da auch schon 4 andere Leute. Das nenn ich Gastfreundschaft :). Dummerweise hatten wir keine genaue Hausnummer und die Verständigung mit unserem Fahrer war etwas schwierig, so fanden wir das richtige Haus schlussendlich erst als wir wieder alleine unterwegs waren.
Das Haus schien vor vielen vielen Jahren einmal wirklich Prunkvoll gewesen zu sein und selbst heute besitzt es noch einiges an Charme. So steigen wir das geschwungene Treppenhaus empor und landen schließlich in einer sehr geräumigen 2 Zimmer Wohnung. Wobei wir in dem einen Raum zwischenzeitlich zu 10t schlafen werden. Ansonsten war der Aufenthalt in Tiblissi von vielem Herumgelaufe und Sightseeing geprägt. Zu allem Überfluss schafften wir es noch nicht einmal am richtigen Tag beim Pantomimtheater zu sein. So blieb uns als Kulturprogramm nur die Wohnkäfige der Oppositionellen zu besichtigen und ein wenig den Kundgebungen zu lauschen.
Für mich war es sehr schön nach langen Jahren Levan (einen alten Freund) mal wieder zu treffen und sogar Irakli, der inzwischen ein hoher Beamter im Innenministerium ist kam kurz vorbei. Levan hat es auch schon ziemlich weit gebracht. Er ist Direktor einer bulgarischen Pharmafirma und für den gesamten russischen, georgischen, armenischen und azerbaidjanischen Markt zuständig.
Alles in allem ist Tiblissi immer noch eine wunderschöne Stadt, sie ist zwar etwas heruntergekommen, wie unsere "Wohnung" auch, aber strahlt wohl gerade deswegen eine ungeheure Romantik aus. Allerdings hielt es uns nicht länger als 3 Tage dort, da wir eigentlich nur 10 Tage in Georgien bleiben wollten und den Kaukasus als nächstes Ziel vor Augen hatten.
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